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Die Big Band der Bundeswehr

Warum muss es bei der Bundeswehr immer nur Marschmusik geben?
Das fragte sich 1970 der damalige Bundesverteidigungsminister und passionierte Musikfreund HelmutSchmidt. Kurzum sollten moderne Töne einer modernen Armee her. Helmut Schmidt stellte sich den Sound der Zeit als Bereicherung der Militärmusik vor.

Zuerst brauchte man einen Bandleader, der diese nicht einfache Aufgabe meistern konnte und sich auf dem Gebiet der modernen Unterhaltungsmusik auskannte. Herbert Laabs, Beauftragter des Ministers, tauchte in die Musikszene ein.

Wen er auch fragte, es fiel der Name Günter Noris. In Fachkreisen war der zu diesem Zeitpunkt 35jährige Jazzpianist, Komponist und Arrangeur sowie ehemalige musikalische Begleiter von Hildegard Knef als Geheimtipp bekannt. 
Er erhielt den Auftrag, das "Schauorchester der Bundeswehr" aufzustellen und zu leiten.

 

Neue musikalische Geheimwaffe
Günter Noris (1971 - 1983)

Zum Standort des Orchesters wurde die damalige Funkkaserne, heute Mercatorkaserne, in Euskirchen bei Bonn bestimmt. Mit einer Stärke von 23 Mann ging Günter Noris 1971 für ein halbes Jahr ins musikalische Trainingslager. Am 3. Juni 1971 wurde das Orchester als neue musikalische Geheimwaffe im Bankettsaal des Bonner Hotels Tulpenfeld der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es folgte die Mittenwalder Tagung der NATO in Garmisch Partenkirchen. Die Gastgeber, Verteidigungsminister Schmidt nebst Gattin Loki, nutzten die Gelegenheit, den internationalen Gästen das hervorragende Orchester mit dem neuen Sound jenseits der klassischen Marschmusik vorzustellen. Der Erfolg des Orchesters war nicht mehr aufzuhalten. Es folgte die erste Fernsehübertragung am 26. Mai 1972: Das Schauorchester der Bundeswehr spielte vor 80.000 Zuschauern live im Münchener Olympiastadion und Millionen von Zuschauern daheim vor den Fernsehbildschirmen anlässlich der Einweihung des Olympiastadions zum Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Russland.

Das neue Orchester hatte offensichtlich den Geschmack einer breiten Öffentlichkeit getroffen. 
Ob Wohltätigkeitskonzerte, Fernsehauftritte, Galas, Pressebälle oder Ball des Sports – überall waren die swingenden Musiker in Uniform dabei. Verteidigungsminister Helmut Schmidt zeigte große Begeisterung über den Ausgang seiner musikalischen Idee: "Meine Erwartungen sind bei weitem übertroffen worden."

Im Juni 1972 erschien die erste Langspielplatte mit dem Titel "Stars in Uniform". Im selben Jahr erhielt die swingende Einheit der Bundeswehr ihren neuen Namen. Dieser lautete "Big Band der Bundeswehr".1974 traten Noris und seine Männer als offizielles Orchester bei der Fußballweltmeisterschaft im Frankfurter Waldstadion an. 
Die ersten Auslandreisen folgten. Riesenerfolge feierte die swingende Truppe auf ihren USA-Touren 1976 und 1979. Das Motto lautete meistens Benefizkonzerte im Zusammenspiel mit professionellem Jugendmarketing für die Bundeswehr. Ob Rotes Kreuz oder kranke Kinder, immer wurden die Eintrittsgelder der dienstlichen Einsätze zugunsten eines guten Zwecks gestiftet.

Der Erfolg war grenzenlos. Konzerte im ganzen Bundesgebiet, Bälle aller Art, protokollarische Einsätze wie Kanzlerfeste, Fernsehproduktionen und Auslandreisen waren auf dem Dienstplan der Big Band keine Besonderheit mehr. Im Herbst 1983 gab es eine entscheidende Veränderung. Günter Noris kündigte auf eigenen Wunsch und verließ die Bundeswehr.

 

Offizier wird Chef der Band
Heinz Schiffer (1983 - 1991)

Als potentielle Nachfolger fielen Namen wie Paul Kuhn und Max Greger. Aber weit gefehlt. Eine Headline auf der Titelseite einer Kölner Tageszeitung dementierte alle Gerüchte: "Offizier wird Chef der Big Band der Bundeswehr." Am 23. Oktober 1983 übernahm Musikoffizier und Chef des Heeresmusikkorps Kassel, Major Heinz Schiffer, den vom Noris-Swing geprägten Taktstock. Für ihn kein einfaches Erbe, in die Fußstapfen des legendären Vorgängers zu treten. Schiffer verfolgte seine eigene musikalische Linie. Evergreens und Ohrwürmer der Swing- und Popära wurden nun in zeitgemäßem Big Band-Kleid präsentiert. Als besonderen Bühnenclou setzte er drei Sängerinnen in das Konzertprogramm ein. Sie trugen den Namen "Majories". Besonders erwähnenswert aus der "Schiffer-Zeit" ist die Russlandkonzertreise, die er im Oktober 1990 mit der Big Band durchführte.

Die Ära des Bandleaders Schiffer endete im April 1991 mit der Übernahme der Orchesterleitung durch den damals 31jährigen und Musikoffizier Robert Kuckertz.

Der dritte Chef der Band
Robert Kuckertz (1991 - 2001)

Er stellte seine eigene Zielrichtung, das Orchester zu führen, vor. Zunächst trennte er sich von den drei Sängerinnen. Er entschied sich, das Bühnenrepertoire durch einen Sänger, der ebenfalls Soldat war, und eine farbige Sängerin abwechslungsreich aufzupeppen. Seine Bühnenshow erstreckte sich vom klassischen Glenn Miller-Sound über Swing, Dixieland, Hip Hop, Evergreens und aktuelle Hits. Ein großer Erfolg seiner Bandleaderzeit ist das Konzept der sehr gut besuchten Open Air-Konzerte. Allein im Jahr 2001 besuchten mehr als 60.000 Besucher die zehn Freiluftkonzerte quer durch die gesamte Bundesrepublik. Die Medienpräsenz stieg unter seiner Verantwortung deutlich an. In den neunziger Jahren war die Big Band der Bundeswehr durchschnittlich mehr als zehnmal im Jahr in anerkannten Unterhaltungssendungen zu sehen. Das ZDF strahlte im Frühjahr 1997 ein Special namens "Mit Musik unterwegs" über 25 Jahre Big Band der Bundeswehr aus.  
Robert Kuckertz verließ nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit die Band.

 

Mit modernem Sound in die Zukunft
Michael Euler (2001 - 2008)

Sein Nachfolger und somit vierter Bandleader, Oberstleutnant Michael Euler, übernahm im Oktober 2001 ein sehr erfolgreiches Orchester mit vielen jungen, hoch motivierten Musikern, die es gewohnt waren und bis heute sind, vor nahezu stets ausverkauften Konzertsälen zu spielen. Euler perfektionierte und modernisierte in seiner Amtszeit die Band und stellte sowohl musikalisch als auch technisch die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft als eines der erfolgreichsten Tourorchester Europas. Er verließ im Januar 2008 die Big Band der Bundeswehr und übernahm die Leitung des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden.

 

Gute Musik professionell präsentieren
Christoph Lieder (2008 – 2012)

Oberstleutnant Christoph Lieder hat sich seinerzeit intensiv auf seine neue Aufgabe als Bandleader der Big Band der Bundeswehr vorbereitet. Er besuchte u.a. viele renommierte Big Bands im In- und Ausland. Mit Christoph Lieder hat die Big Band der Bundeswehr im Jahre 2008 einen weiteren Profi mit besonderer Qualität verpflichten können.
Gute Musik professionell präsentieren, dieser Anspruch von Christoph Lieder als Bandleader und aller Musiker der Big Band der Bundeswehr, hat wohl deutlich dazu beigetragen, das Orchester zu einem Sympathieträger in der ganzen Welt heranreifen zu lassen. Christoph Lieder ist der Meinung, die 
"Partitur" zum Erfolg auf den "Brettern", die ihm und seinen Männern die Welt bedeuten, wird aus dem Gefühl für die Musik, Talent und Können der Bandmitglieder auf ihren Instrumenten sowie gemeinsamer harter Arbeit und Disziplin geschrieben.

Sechster Bandleader der Big Band der Bundeswehr
Christian Weiper (2012 – 2014)

Nach reiflicher Überlegung ergriff Christian Weiper mit Stolz die einmalige Chance, zu neuen "musikalischen Ufern aufzubrechen". Von Januar bis August absolvierte er eine intensive Studienzeit im Bereich der Swing- und modernen Unterhaltungsmusik unter anderem bei Professor Wieland Reissmann. Viele Reisen führten ihn zu befreundeten Rundfunk Big Bands und Unter-haltungs-Orchestern im ln- und Ausland bei denen er wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. 
 

Siebter Bandleader der Big Band der Bundeswehr Timor Oliver Chadik (2014 – 2025)

 

Im Januar 2015 übernahm Timor Oliver Chadik die Leitung der Big Band der Bundeswehr.​

Nach prägenden Jahren im klassischen Musiktheater und verschiedenen Stationen innerhalb der Bundeswehr übernahm er als siebter Bandleader den Taktstock der Big Band der Bundeswehr.
Was folgte, war mehr als eine erfolgreiche Amtszeit. Chadik trieb einen Wandel voran, der die Big Band neu definierte. Auftritte mit Till Brönner, Dee Dee Bridgewater, Diane Schuur, Curtis Stigers und Ivan Lins sowie ein gemeinsames Konzert mit den Airmen of Note in Washington im Jahr 2022 zeigten, wo die Big Band inzwischen stand.
Parallel dazu suchte die Big Band unter Chadik die Zusammenarbeit mit deutschen Künstlern, die der Big Band neue Formate eröffneten. Mit Musikern wie Max Mutzke, Pe Werner, Tom Gaebel und Gregor Meyle entstanden Programme, die zeigten, dass die Big Band nicht nur in der Jazztradition zuhause ist, sondern ein lebendiges Format für aktuelle populäre Musik darstellt. Mit Heinz Rudolf Kunze verband die Big Band eine besonders intensive Zusammenarbeit, die neben gemeinsamen Konzerten auch in einer gemeinsamen Plattenproduktion mündete. Jede dieser Begegnungen hinterließ ihre Spuren im Repertoire und im Selbstverständnis der Formation.
In diesen zehn Jahren wuchs die Big Band stetig weiter. Die Formation behielt, was sie stark gemacht hatte, und gewann dabei eine musikalische Tiefe und eine künstlerische Ausrichtung die weit über Unterhaltung hinausgeht

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Im September 2025 übergab Timor Oliver Chadik die Leitung an Oberstleutnant Tobias Terhardt und übernahm das Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg. ​​​​​

Was Auftritte der Big Band der Bundeswehr heute auszeichnet, ist das Zusammenspiel von Präzision und Kreativität, die auf der Bühne spürbar wird.

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