Auch in der Schweiz ist sie ein gern gesehener Gast:
Die Big Band der Bundeswehr spielt im Kongresszentrum Davosfür den guten Zweck
Schon lange hatte sich die Band auf diesen Kurztrip gefreut, denn auch dieses wirklich weit gereiste Orchester kommt nicht allzu oft in den Genuss einer solch einmaligen alpinen Kulisse.
"Diese Landschaft und die Menschen sind besonders" meinte nicht nur der Posaunist Ronald Lehmann, sondern auch die ganze Truppe, von Technik bis Chef, waren von besonderem Flair dieser Gebirgslands und der höchsten Stadt Europas ganz begeistert.

Schließlich konnten die Musiker zumindest für ein paar freie Stunden selbst rauf auf den Berg und die alpine Höhenluft schnuppern.
Abends auf der Bühne funktionierte dann wieder alles in der sprichwörtlichen Perfektion eines Schweizer Uhrwerkes. Der Funke zum Publikum sprang vom ersten Moment an über und die Besucher des Kongresszentrums hielt es am Schluss nicht mehr auf den Stühlen.
"Euch müsste es auf Rezept geben," sagte eine verzückte Zuhörerin nach dem Konzert.
Dieser Wunsch muss leider unerfüllt bleiben, aber durch die Benefiz Gala der Big Band der Bundeswehr konnte ein ansehnlicher Betrag für den Kinderspielplatz in der Hochgebirgsklinik eingenommen werden.
Zurück zu den Wurzeln
Die Big Band der Bundeswehr reist zu den Ursprüngen des Jazz und Swing in die Vereinigten Staaten von AmerikaDer regnerische Novembermorgen ist ein besonderer für Hauptmann Christian Meurer. Der junge Pilot sitzt in Köln/Wahn im Cockpit eines Luftwaffen-Airbus und beginnt gleich mit seinem Prüfungsflug zum Kommandanten. Mit an Bord ist eine Auswahl von Köchen der Kochnationalmannschaft, die Big Band der Bundeswehr samt Techniker und mehr als neun Tonnen Fracht der Band.

Ziel der Maschine mit der Flugnummer GAF 468 ist der Dulles International Airport nahe Washington D.C. Denn die Big Band wird beim Bundeswehrkommando USA/Kanada auftreten und die Köche ein BBQ zaubern. "Die Band wird außerdem zwei öffentliche Konzerte in Texas und New Mexiko geben – natürlich für den guten Zweck", erzählt der Manager der Big Band Hauptmann Thomas Ernst während des Flugs. Bereits im Sommer hat er die USA-Reise der Musiker vorbereitet – die Auftrittsorte besichtigt, die Logistik sichergestellt und viele Absprachen getroffen. "Meine Aktenordner sind mit mehr als 15 Zentimetern Papier gefüllt", erzählt Ernst schmunzelnd, "besonders für den Zoll musste viel ausgefüllt werden." Jedes Gepäckstück wurde gewogen, ausgemessen, sein Wert aufgeführt und die Seriennummer jedes einzelnen Musikinstruments angegeben.
Bandleader Oberstleutnant Christoph Lieder hat den musikalischen Inhalt für die drei Auftritte in den USA vorbereitet. Die Konzerte sind etwas Besonderes für ihn, denn schließlich spielen die Musiker in dem Land, in der die Big Bands ihren Ursprung haben. "Wir wissen, dass wir als Botschafter der Bundeswehr gesehen werden", sagt Lieder. "In den USA verzichten wir aber ganz bewusst auf traditionelle amerikanische Stücke wie beispielsweise die von Glenn Miller. Wir wollen nämlich ein wenig Europa und Deutschland mitbringen", umreißt der 48-Jährige das Programm. Und so wird die Band auch den "Fliegermarsch" spielen, der sonst eher nicht in das Repertoire der Big Band gehört.
Nach fast neun Stunden Flugzeit landet Meurer den Airbus endlich auf amerikanischem Boden. Den ersten Teil seines Prüfungsfluges hat er bestanden. Für das Team der Big Band geht es jetzt erst einmal in die Lufttransport- und Abfertigungsanlage (LTAA) der Bundeswehr. Hier wird am nächsten Tag der erste Auftritt stattfinden. Die riesige Halle ist bereits dekoriert: Überdimensional überspannt ein Lastenfallschirm die schwarz-rot-gold dekorierten Bierbänke und bunte Luftballons sammeln sich unter dem riesigen Fallschirmdach. Nachdem sich Band und Techniker mit den Räumlichkeiten vertraut gemacht haben, geht es mit dem Bus ins Hotel – vorbei an den Wahrzeichen der US-Hauptstadt wie das Washington-Monument oder das Lincoln-Memorial. In Deutschland ist es jetzt bereits weit nach Mitternacht.
Am nächsten Tag sind es Bühnenmeister Hauptfeldwebel Mirko Nützel und die sieben Techniker, die als erstes in der LTAA eintreffen. Stabsgefreiter (UA) Markus Hüfler baut mit seinen Teamkollegen die reduzierte Bühnentechnik auf, da am Abend nur die Dixielandformation und die Combo der Band spielen. Wenig später erreichen auch die Musiker die Anlage und Saxophon- sowie Trompetenklänge füllen beim Soundcheck die Halle. Dann bleibt nicht mehr viel Zeit bis die Gäste kommen und die Band zieht die Ausgehuniform der Luftwaffe an. Sichtlich begeistert genießen die Soldaten und zivilen Mitarbeiter des Bundeswehrkommandos die musikalische Abwechslung.
Bis spät in den Abend unterhält sie die Big Band. Nachdem die letzten Gäste die riesige Halle wieder verlassen haben, beginnen die Techniker mit dem Abbau der Bühne. In Windeseile verstauen sie die Geräte samt Kabel in den Transportkisten, denn bereits am nächsten Morgen heißt es schon wieder "Bye Bye" Washington.
Für Meurer beginnt nun der zweite Abschnitt seines Prüfungsflugs. Er bringt das Team zur Holloman Air Force Base (AFB), auf der sich auch das Fliegerische Ausbildungszentrum der Luftwaffe befindet. Nur vier Flugstunden liegen zwischen den zwei Städten und doch fühlt es sich an wie eine andere Welt. Waren es in Washington noch Temperaturen um null Grad, so scheint den Teammitgliedern im warmen Holloman die Sonne ins Gesicht. Doch Zeit, die Sonnenstrahlen zu genießen, bleibt nicht. Ein Bus wartet bereits am Ende der Gangway auf die Mannschaft und bringt sie in das 90 Meilen entfernte El Paso. Die Strecke hat nur drei Kurven, links und rechts des Highways 54 ist die Landschaft flach und gleicht einer Wüste mit Kakteen und vertrocknetem Buschwerk. Am Motel angekommen, geht der lange Reisetag für die Gruppe mit einem gemeinsamen Abendessen zu Ende.
Am nächsten Tag das gewohnte Bild: Früh beginnt das Technikteam, die riesigen Kisten aus den Lkws in das "Maggoffin Auditorium" der University of Texas zu bringen. Dann beginnt der Aufbau: Die Technik wird angeschlossen und hierbei viele Kilometer Kabel verlegt. Der 25-jährige Hüfler ist vorrangig für das Licht verantwortlich. Er sichert die Scheinwerfer, leuchtet die Bühne ein und kümmert sich um den Starkstrom. Während der Show setzt der gelernte Elektroinstallateur die Solos der Musiker am Lichtmischpult ins rechte Licht. Haben die Techniker ihre schweißtreibende Arbeit hinter sich gebracht, heißt es Soundcheck für die Band und endlich Pause für Hüfler und seine Mitstreiter.
Beim gesamten Team handelt es sich um absolute Profis, trotzdem ist vor den Konzerten die Anspannung zu spüren. "Und jetzt kommt auch noch der Jetlag dazu", bemerkt Schlagzeuger Oberfeldwebel Thomas Lieven. Wenig später ist es dann soweit und die Big Band spielt ihr erstes großes Konzert auf dieser Reise: Die Lichter gehen aus, es wird still im Raum, die Bühne wird eingenebelt und dann schallen die ersten Töne von Gordon Goodwins "Count Bubba" in die Halle. Hüfler ist wieder am Mischpult. Auf die Frage, ob er nervös sei, sagt der Techniker, dass er die
Show schon mindestens 140 Mal gefahren habe. "Ich hab es in den Fingern", meint er lächelnd. Und auch Lieven sitzt hinter seinem Instrument und reißt das Publikum bei seinem Schlagzeugsolo mit. "Ich bin auf der Bühne, um Spaß zu haben", sagt der 33-Jährige und das merken die Zuschauer ihm auch an. Zwei Stunden spielen die Musiker an diesem Abend und begeistern das Publikum.
Auch einen Tag später verzaubert die Band das Publikum in Alamogordo, nahe der Holloman AFB. Im ausverkauften "Tays Special Event Center" der hiesigen Universität gibt es sogar Standing Ovation. Auch der katholische Militärpfarrer Wolfgang Schiltz jubelt der Band zu. "Das ist professionelle Musik vom Feinsten", sagt er zu den Darbietungen. Doch nicht nur die Deutschen im Publikum waren begeistert. So ließ es sich Sylvia Alarcon nach der Show nicht nehmen, das aktuelle Album der Band zu kaufen und es direkt signieren zu lassen. "Das war eine der besten Shows, die ich je gehört habe", freut sich Amerikanerin, die auch selbst als Bandleaderin tätig war. "Vielen Dank, dass Sie hier gespielt haben. Sie sind nicht nur Botschafter der deutschen Streitkräfte, sondern auch der Musik."

Bereits am nächsten Tag sitzt die Band schon wieder in der Bundeswehrmaschine auf dem Weg nach Deutschland. Der Pilot startet zu seiner letzten Etappe auf dem Überprüfungsflug – um die Nerven zu beruhigen, gibt es im Cockpit amerikanische Schokoladenkekse mit Milchcremefüllung. Bandchef Lieder ist mit den drei Shows der Band und dem anschließenden Feedback mehr als zufrieden. Auch während des Heimflugs kann die Big Band-Crew nicht ohne Musik. Hauptfeldwebel Bert Conzen, Posaunist bei der Big Band, arrangiert beispielsweise schon wieder einen neuen Titel auf seinem Laptop. "Die Band ist immer in einem kreativen Denkprozess und das Programm wird ständig weiter entwickelt. Jeder bringt da seine Ideen ein", bemerkt Lieder. Nach mehr als zehn Stunden verlässt das Big Band-Team glücklich – aber auch ein wenig müde – den Airbus, den Meurer wieder sicher nach Köln/Wahn geflogen hat. Er geht freudestrahlend von Bord, denn er hat alle Prüfungen bestanden und ist jetzt Kommandant.
Sylvia Jaeck

